In den letzten Monaten landen immer wieder Leute bei uns, die eigentlich etwas anderes gesucht haben: den Lupinenkaffee aus dem Eduscho-Regal. Dieser Text erklärt, was in der Packung war, was die Käufer daran mochten — und was es sonst noch gibt. Vorweg gesagt: Wir sind in dieser Sache nicht neutral. Warum, steht weiter unten, und alle Zahlen kannst du selbst nachprüfen.
Was im Regal stand
Eduscho — die Marke gehört zu Tchibo — hatte einen gemahlenen Filterkaffee im Programm, der schlicht „Kaffee & Lupine“ hieß. 250 Gramm, 3,99 Euro. Auf der Packung stand, was drin ist: 51 Prozent Süßlupinen, 49 Prozent Röstkaffee.
Stand September 2026 ist das Produkt auf der Tchibo-Seite als „zur Zeit nicht verfügbar“ gekennzeichnet. Warum, sagt Tchibo nicht, und wir wissen es auch nicht. Wenn du also hier gelandet bist, weil du es nicht mehr findest: Es liegt nicht an dir.
Erstmal das Missverständnis aus dem Weg
Wenn Leute „Lupinenkaffee“ hören, denken die meisten an etwas, das es auch gibt, aber etwas völlig anderes ist: an Ersatzkaffee. An Getreidekaffee, Zichorie, Malzkaffee — Getränke, die nach Kaffee aussehen und versuchen, so zu schmecken.
Darum geht es hier nicht. In der Eduscho-Packung war echter Röstkaffee, gemischt mit gerösteter Süßlupine. Beides wird geröstet, beides wird gemahlen, beides kommt in denselben Filter. Es ist kein Ersatz für Kaffee, es ist Kaffee mit einer dritten Bohne darin.
Und diese dritte Bohne bringt von Natur aus kein Koffein mit. Das ist der ganze Trick — nichts wird entzogen, nichts chemisch behandelt. Der Koffeingehalt sinkt einfach, weil ein Teil der Mischung nie welches hatte.
Dieser Unterschied ist übrigens genau der, an dem wir seit Jahren arbeiten. Lupinen rösten Menschen seit Generationen — in Südtirol heißt das Ergebnis Altreier Kaffee, und im Reformhaus stehen seit langem fertige Lupinengetränke. Nur sind das alles Ersatzprodukte: Sie treten an die Stelle von Kaffee.
Wir haben die Lupine stattdessen als dritte Bohne behandelt, die zum Kaffee dazukommt, statt ihn zu ersetzen. Dreizehn Jahre Lupine, zwei Jahre Entwicklung, bis sie sich neben Arabica und Robusta rösten und mischen ließ. Inzwischen arbeiten fünf Röstereien damit.
270 Menschen haben ihn bewertet
Auf der Produktseite sind 270 Bewertungen zusammengekommen. Durchschnitt: 4,1 von 5 Sternen. 71 Prozent der Bewertenden würden ihn weiterempfehlen.
Interessanter als die Note ist für uns, worüber die Leute schreiben. Es geht erstaunlich selten um Sensorik und erstaunlich oft um eine Uhrzeit. Um den Nachmittag. Um die Tasse um vier, die sonst ausfällt — nicht, weil man keine Lust darauf hätte, sondern weil man weiß, wie die Nacht dann wird.
Das deckt sich ziemlich genau mit dem, was in unserem eigenen Postfach steht. Fast niemand schreibt uns, weil er Lupine spannend findet. Die Leute schreiben, weil sie den Nachmittag nicht aufgeben wollen.
Eine feste Mischung ist ein Kompromiss — und das muss sie sein
51 zu 49, für jeden gleich. Für ein Produkt, das in tausend Läden steht, ist das genau richtig gebaut. Es muss für alle passen: für den, der von zwei Tassen einschläft wie ein Stein, und für den, der von einem Espresso um vier noch nachts die Decke anschaut.
Nur bist du keine Zielgruppe, sondern ein Mensch mit einem bestimmten Feierabend. Und der Anteil entscheidet, wie viel Koffein am Ende übrig bleibt: Bei einem Drittel Lupine merkst du wenig, bei zwei Dritteln verschiebt sich dein Nachmittag um Stunden.
Deshalb haben wir nicht eine Mischung, sondern mehrere. Und deshalb gibt es bei uns auch keinen Satz wie „ab jetzt kein Kaffee mehr“ — sondern einen Rechner, der dir zeigt, wo deine eigene Grenze liegt: der Koffein-Check.
Der Mahlgrad — und warum er im Regal schon entschieden war
Eine Sache fällt auf, wenn man sich das Eduscho-Produkt genauer ansieht: Es gab es nur gemahlen. 250 Gramm, fertig für die Filtermaschine. Ganze Bohnen standen nie daneben.
Für einen Supermarktkaffee ist das normal. Die wenigsten haben eine Mühle in der Küche.
Bei Lupine ist der Mahlgrad aber ausgerechnet die Stellschraube, auf die es ankommt. Die Lupine bringt mehr Feinanteil mit und quillt stärker auf als Kaffee. Sie will deutlich gröber gemahlen werden als reiner Kaffee. Zu fein wird die Tasse dünn, und im Vollautomaten setzt sich mit der Zeit die Brühgruppe zu.
Wer eine fertige Mahlung kauft, kann daran nichts drehen. Die Einstellung ist im Werk gefallen, für eine bestimmte Zubereitungsart — und wenn deine anders aussieht, hast du Pech.
Mit ganzen Bohnen hast du die Einstellung selbst in der Hand. Das ist der Grund, warum wir sie so verkaufen und den Hinweis mit auf die Tüte schreiben, statt zu hoffen, dass es schon passt. Mehr dazu steht in diesem Artikel.
Und jetzt der Teil, bei dem wir nicht neutral sind
Wir verkaufen selbst Lupinenkaffee. Es wäre albern, so zu tun, als hätten wir kein Interesse daran, dass du das hier liest.
Deshalb halten wir es so: Sämtliche Zahlen oben — die 51 Prozent, die 3,99 Euro, die 270 Bewertungen, die 4,1 Sterne — stehen auf Tchibos eigener Produktseite und stammen nicht von uns. Du kannst sie in zwei Minuten selbst nachschlagen. Wir haben nichts über die Qualität des Produkts gesagt, weil wir es nicht bewerten wollen und auch gar nicht müssten.
Was wir sagen: Diese Idee gehört niemandem, und dass ein Konzern sie in dieser Größenordnung ins Regal gestellt hat, freut uns eher, als dass es uns ärgert. Es bedeutet, dass mehr Menschen wissen, dass es so etwas überhaupt gibt.
Dazusagen wollen wir nur eins, weil es zur Einordnung gehört: Im Mai 2025 standen unsere Blends beim Röster Cruise des Deutschen Kaffeeverbands in Hamburg im Ausschank — vor über hundert geladenen Kaffeeröstern aus ganz Deutschland, vom Zwei-Personen-Betrieb bis zum Konzern. Damals lag in keinem deutschen Regal ein Hybrid-Blend. Wie dieser Abend ausgegangen ist, haben wir hier aufgeschrieben — es war der Test, vor dem uns am meisten gegraut hat.
Dass ein halbes Jahr später das größte Kaffeeunternehmen des Landes einen Lupinen-Blend ins Regal stellte, haben wir nicht verursacht und behaupten es auch nicht. Solche Produkte brauchen Jahre Vorlauf. Aber es hat eine Frage beantwortet, die uns am Anfang wirklich alle gestellt haben: ob daraus jemals mehr wird als eine Idee aus einer kleinen Rösterei.
Wenn du Fragen hast — zur Mühle, zum Mischungsverhältnis oder was auch immer: Schreib uns in der Röstsprechstunde per WhatsApp an 0172 5854263. Da antworten Mel oder ich selbst. — Rainer
PS: Falls du wissen willst, wie viel Koffein bei dir über den Tag überhaupt zusammenkommt — das haben wir einmal komplett durchgerechnet. Das Ergebnis verschiebt die übliche Nachmittagsgrenze um mehrere Stunden.
Der Club für alle, die um 15 Uhr nicht aufhören wollen
Im Coffee Lover Club schicken wir dir einmal pro Woche die Antworten auf die Fragen, die dir sonst niemand beantwortet — uns interessieren vor allem Kaffee und Gesundheit. Und wenn es bei uns etwas Neues gibt, erfährst du es dort zuerst.
Wer sich einträgt, bekommt außerdem:
- Das Nachmittags-Trio. Drei Überraschungsröstungen zum Kennenlernen, 9,90 € inklusive Versand — den Bestelllink gibt es nur hier.
- Den Koffein-Check. Zwei Angaben, zehn Sekunden, und du siehst deine persönliche Uhrzeit statt der pauschalen Regel.
- Die Mischungen anderer Mitglieder. Bohne und Verhältnis zum Nachbauen, von Leuten, die es ausprobiert haben.
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