Blindverkostung: Frau mit verbundenen Augen probiert Kaffee aus einer weissen Tasse
Wir haben unsere Hybrid-Blends bei Verkostungen mit Röstergilde und Kaffeeverband neben echten Kaffee gestellt. Was dabei herauskam — und was nicht.

Der Test, vor dem uns am meisten gegraut hat

Man kann über eine neue Kaffeekategorie schreiben, so viel man will. Irgendwann muss sie an Leute, die seit Jahrzehnten beruflich schmecken. Wir haben das gemacht — und ehrlich gesagt nicht besonders gut geschlafen davor.


Die Kurzfassung

Wir haben unsere Hybrid-Blends bei Verkostungen mit der Deutschen Röstergilde und dem Deutschen Kaffeeverband neben normalem Kaffee und Espresso ausschenken lassen.

Das Ergebnis: Selbst erfahrene Kaffeeexperten konnten kaum einen Unterschied herausschmecken.

Das ist der einzige Beweis, der uns wirklich wichtig war. Alles andere kann man behaupten.

Warum uns ausgerechnet dieser Termin nervös gemacht hat

Wir haben 27 Jahre lang eine eigene Rösterei geführt. Wir wissen, wie in der Branche geredet wird, wenn jemand mit einer neuen Idee ums Eck kommt. Höflich am Tisch, deutlich danach.

Und wir wussten: Bei allem, was wir sonst erklären können — Herkunft, Röstung, Anteile, Kategorie —, gibt es genau eine Frage, die darüber entscheidet, ob das Ganze etwas wird oder nicht.

Schmeckt es?

Wenn die Antwort „naja“ lautet, ist der Rest egal. Dann ist es ein Ersatzprodukt mit gutem Marketing, und davon gibt es genug. Ein Kunde verzeiht dir vieles. Eine enttäuschte Tasse verzeiht er nicht.

Warum Fachleute ein härteres Publikum sind als Kunden

Ein normaler Kaffeetrinker schmeckt, ob ihm etwas gefällt. Eine Verkosterin der Röstergilde schmeckt, woran es liegt. Körper, Säure, Nachlauf, wo die Bitterkeit sitzt und wo sie aufhört.

Diese Leute finden Abweichungen, die niemand sonst bemerkt. Genau das war für uns der Punkt. Wir wollten nicht wissen, ob es Laien auffällt — das hätte wenig bewiesen. Wir wollten wissen, ob es den Leuten auffällt, die dafür bezahlt werden, dass es ihnen auffällt.

Zum Vergleich stand daneben, was dieselben Leute den ganzen Tag trinken: normaler Kaffee. Normaler Espresso.

Was dabei herauskam

Sie haben kaum einen Unterschied herausgeschmeckt.

Nicht: Sie fanden es „für ein Lupinenprodukt erstaunlich gut“. Das wäre die Sorte Lob, die man höflich sagt und die nichts bedeutet. Sondern: Der Abstand zum normalen Kaffee war so klein, dass er im Blindvergleich kaum zu greifen war.

Für uns war das der Moment, in dem aus einer Idee ein Produkt wurde.

Und jetzt der Teil, der uns wichtig ist

Wir wollen daraus keine Studie machen, die es nicht ist.

Das war eine fachliche Verkostung, kein Laborversuch mit Kontrollgruppe und veröffentlichten Punktwerten. Wer Zahlen mit zwei Nachkommastellen will, wird bei uns nicht fündig — die hätten wir uns ausdenken müssen, und genau das machen wir nicht.

Was es war: erfahrene Leute, echte Tassen, ein ehrlicher Vergleich, kein bestelltes Ergebnis. Uns reicht das, und wir schreiben lieber genau hin, was es war, als eine große Zahl an die Wand zu malen.

Was das für dich am Küchentisch bedeutet

Der praktische Nutzen ist kleiner, als es klingt — und gleichzeitig größer.

Kleiner, weil dir ein Verkostungsergebnis nicht die Tasse schmeckt. Das musst du selbst tun.

Größer, weil dir dieser eine Satz eine Diskussion erspart. Wenn du am Sonntagnachmittag ausschenkst und jemand fragt, was das denn ist — dann sagst du nicht „das ist so ein Lupinending, aber es geht wirklich“. Sondern du schenkst ein und sagst gar nichts. Und wenn es doch zur Sprache kommt, ist der Satz kurz: Fachleute haben ihn im Vergleich mit echtem Kaffee kaum unterscheiden können.

Das ist der Unterschied zwischen einem Produkt, für das man sich erklären muss, und einem, das man einfach hinstellt.

Was wir daraus gelernt haben

Dass die Bohne die Arbeit macht, nicht der Text.

Wir könnten dir zehn Seiten über die Süßlupine schreiben, über deutsche Felder, kurze Wege, die dritte Bohne neben Arabica und Robusta. All das stimmt. Und all das wäre wertlos, wenn die Tasse nicht mithalten würde.

Deshalb steht dieser Artikel hier und nicht der über die Felder.


Wenn du es selbst nachprüfen willst: Am ehrlichsten geht das im Direktvergleich. Zwei Kannen nebeneinander, gleiche Menge, gleiches Wasser, gleiche Zeit. Wer beim ersten Mal nur den Hybrid-Blend trinkt, schmeckt gegen seine Erwartung an — im Vergleich schmeckt man gegen die andere Tasse.

Und wenn dir dabei etwas auffällt, das dir nicht passt: Schreib uns in der Röstsprechstunde per WhatsApp an 0172 5854263. Da antworten Mel oder ich selbst, nicht irgendein Postfach. — Rainer

PS: Die Frage, die uns nach dieser Verkostung am häufigsten gestellt wurde, war nicht „wie habt ihr das gemacht“, sondern „und wie viel Koffein ist dann noch drin“. Die Antwort darauf haben wir einmal komplett durchgerechnet — mit einem Ergebnis, das die verbreitete Nachmittagsregel ziemlich alt aussehen lässt.

Der Club für alle, die um 15 Uhr nicht aufhören wollen

Im Coffee Lover Club schicken wir dir einmal pro Woche eine Mail: die Antworten auf das, was uns wirklich gefragt wird — kürzer und früher als hier im Journal. Und wenn es bei uns etwas Neues gibt, erfährst du es dort zuerst.

Wer sich einträgt, bekommt außerdem:

  • Das Nachmittags-Trio. Drei Überraschungsröstungen zum Kennenlernen, 9,90 € inklusive Versand — den Bestelllink gibt es nur hier.
  • Den Koffein-Check. Zwei Angaben, zehn Sekunden, und du siehst deine persönliche Uhrzeit statt der pauschalen Regel.
  • Die Mischungen anderer Mitglieder. Bohne und Verhältnis zum Nachbauen, von Leuten, die es ausprobiert haben.

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